Biografie


Foto: Andreas Caspari

Der Lauf meines Gesanges beginnt mühselig in Quakenbrück in der Volksschule. Jeder Schüler muss aufstehen und allein ein Lied vortragen. Der schrille Kasernenton meiner Lehrerin trägt nicht zum entspannten Singen bei. Ich werde regelmäßig mit der Note, die nach drei kommt, belohnt.

 

Im Konfirmandenunterricht wundert sich der Pastor über eine tiefe Brummstimme zwischen all den Mädchen. Er hat die Einzigartigkeit meines Gesanges erkannt. Mit vierzehn kommt der Durchbruch. Ich singe auf dem Quakenbrücker Marktplatz im Chor der Pfingstler mein erstes Solo: „Es ist Jesus, der deine Lasten trägt“. Mein jubelnder Gesang trägt zur Errettung der verlorenen Seelen bei.

 

Knapp zwei Jahre später störe ich das Wohl- befinden meiner Oma Minna Pöppelmeyer.

Ich schmettere gerade aus voller Kehle die Internationale.Sie ruft aus der Küche: „Hör auf damit. Du hast ne Stimme wie ein oller Kerl! “ Mein Vater murmelt mit tiefen Bass:“ Sing doch was von Heino!“

 

Mein Talent ist nun nicht mehr aufzuhalten. Bald singe ich mit meiner Gitarre auf dem Jahresball des Fischereivereins Old Quokenbrügge. Ich bin die musikalische Hintergrundkulisse zur Tombola Gewinnausgabe!

 

Kurz darauf gebe ich meinem Chemielehrer ein Ständchen im Krankenhaus.

Mein selbstkomponiertes Antiraucher- Lied zeigt bei ihm dummerweise keine Wirkung! Er wird nach seiner Genesung weiterrauchen.

 

Mit achtzehn fahre ich mit meiner Gitarre zum Bundesgesangswettbewerb nach Berlin. Ich nehme den zweiten Preis mit dem Kommentar der Jury entgegen: „Wir freuen uns auch, ein Talent vom Lande gefördert zu haben!“ Das Bersenbrücker Kreisblatt wird auf mich aufmerksam.

 

Nach dem Abitur geht es über Münster nach Hamburg. Neben dem Gesangsstudium arbeite ich als Garderobiere im Interconti. Hier kommt es zu einer schicksalhaften Begegnung mit Anneliese Rothenberger. Aber ich weiß die Gunst der Stunde nicht zu nutzen! Meine Sinne sind vom Parfum der vielen Pelzmäntel und vom Rotwein, den der Oberkellner mir jeden Abend einschenkt, benebelt! Noch heute suche ich verzweifelt jene Sorte Rotwein, die meine Stunden an der Garderobe so beglückten!

 

Die Aufnahmeprüfung an der Frankfurter Musikhochschule bestehe ich mit Georg Kreislers „Heut werd’ ich mich besaufen!“.

Nach der zehnten Cherubim-Arie, die das Aufnahmegremium erdulden muss, reiße ich sie mit Kreisler aus dem Tiefschlaf. Es wird später gemunkelt, dass das für einige Jurymitglieder die fünf spannendesten Minuten des Tages waren.